Marktkompass-Spezial zur US-Wahl

Reaktionen an den Märkten

Realpolitisch und ökonomisch

Vor dem Hintergrund der überraschenden sowie geschlossenen republikanischen Mehrheit in beiden Häusern des US-Kongresses ist in den kommenden Jahren mit einigen politischen „Neuerungen“ zu rechnen. „Neuerungen“ deshalb in Anführungszeichen, weil zu erwarten ist, dass zunächst einige unter Obama eingeführte Gesetze zurückgedreht werden dürften. An erster Stelle zu nennen ist hier beispielsweise Obamacare, aber auch der Dodd-Frank-Act zur Regulation der Finanzmärkte wird von Trump in Frage gestellt. Abzuwarten gilt, inwieweit die GOP hier den Weg mit ihrem Präsidentschaftskandidaten geht, denn selbst innerhalb der Partei gibt es einige, die seine politischen Ideen nicht für durchweg unterstützenswert halten. In Summe ist jedoch mit einer etwas protektionistischeren, ausgabenfreudigeren Regierung zu rechnen. Ökonomisch wird damit gerechnet, dass sich eine republikanische Regierung im Vergleich zu einer demokratischen Regierung in einem etwas geringeren Wachstum widerspiegeln wird. Insbesondere für die kommenden Quartale kann davon ausgegangen werden, dass viele Amerikaner aufgrund der nun gestiegenen Unsicherheiten ob der zu erwartenden Politik Konsum- und Investitionsausgaben zurückhalten werden. Ein Abgleiten in die Rezession ist allerdings dennoch nicht wahrscheinlich.


Rentenmarkt

Am Rentenmarkt war am Tag nach der Wahl zwar ein Renditerückgang zu verzeichnen, hier halten sich die Bewegungen nach einer ersten Schockreaktion jedoch noch in Grenzen. In den kommenden Tagen ist bei US-Staatsanleihen in der Tendenz mit gleich bleibenden bis leicht sinkenden Renditen zu rechnen. Einerseits wirken sich hier Safe-Haven-Zuflüsse in als sicher geltende US-Staatsanleihen aus. Andererseits ist angesichts der nun gestiegenen politischen Unsicherheiten sowie dem unter Trump erwarteten etwas geringeren Wirtschaftswachstum und vor allem aufgrund der Verwerfungen an den Finanzmärkten nicht sicher, ob die Federal Reserve es wagen wird, im Dezember eine weitere Leitzinserhöhung durchzuführen. Für leicht steigende Renditen spricht im Moment nur die Aussicht auf eine wachsende Verschuldung unter einer republikanischen Regierung, da Trump noch mehr Infrastrukturausgaben angekündigt hatte als seine demokratische Gegnerin. Mittelfristig gehen wir aufgrund der fortgeschrittenen Erholung am Arbeitsmarkt sowie der allmählich in Fahrt kommenden Inflationsraten jedoch von einer restriktiver werdenden Geldpolitik und allmählich steigenden Zinsen aus.


Aktienmarkt

Im asiatischen Handel war am Tag nach der Wahl bereits zu sehen, was die Aktienmarktteilnehmer von einem republikanischen Sieg in den USA halten. Die Kurse verzeichneten deutliche Rückgänge, der Nikkei schloss mit über -5%. Auch die europäischen Vorbörsen weisen eindeutig negative Signale aus. Allerdings sollte sich die Lage an den Aktienmärkten in den nächsten Wochen oder Tagen rasch wieder beruhigen. Bei genauerem Hinsehen dürften die US-amerikanischen Unternehmen zu dem Ergebnis kommen, dass eine republikanische Regierung – insbesondere im Falle einer Durchführung der propagierten Unternehmenssteuersenkungen – ihnen in der Tendenz eine Unterstützung sein dürfte. Zwar stehen auch Aussagen Donald Trumps im Raum, der Handelsabkommen zurückdrehen möchte. Damit ist auf kurze Sicht zunächst dennoch nicht zu rechnen.



Quelle: W&W Asset Management, Stand: 09.11.2016